YOGA

Yoga ist seit einigen Jahren im Westen in aller Munde.

Oft wird die körperlich herausfordernde Asanapraxis zelebriert.

Nur eine Sportart? Yoga ist mehr!

Hinter Yoga steckt ein Jahrtausende altes System, dessen wertvolles Wissen sich auf altindische Schriften stützt: von den Veden, die Bhagavad Gita bis zur Yoga Sutra, dem Tantrismus und der Hatha Yoga Pradipika. Jedes dieser Grundlagen-Werke setzt unterschiedliche Schwerpunkte und trägt einen kleinen Teil zum großen Ganzen bei.


Grundsätzlich ist Yoga ein ganzheitlicher Ansatz. Mit teils Jahrhunderte lang erprobten Techniken, bietet es dir ein holistisches Potpourri verschiedenster Methoden, um Körper, Atem und Geist in Einklang zu bringen.

 

Vielleicht ist Yoga ein Geschenk des Fernen Ostens an die westliche Welt, weil es das auffängt und ergänzt, was unserer Kultur oft fehlt: tief durchatmen, entschleunigen, zur Ruhe kommen, Selbstliebe, Achtsamkeit, Geduld, einen nachsichtigeren Umgang mit dir selbst und mit anderen.

 



 „Yoga ist das Zur-Ruhe-Kommen der Gedankenwellen.“

Patanjali


Die Körperübungen, wie wir sie heute im Westen kennen und lieben, standen lange Zeit nicht im Mittelpunkt der Schriften, sondern vielmehr der geistig meditative Aspekt. Erst die Hatha Yoga Pradipika beschreibt einige Asanas, die über den Meditationssitz hinausgehen. Sie ist der Jüngste der Yoga-Klassiker.

 

Die heutige Vielfalt an wohltuenden Positionen bildete sich vor allem heraus, als die westlichen Yogis die Tradition an ihre modernen Bedürfnisse anpassten. Gut so, denn der Körper kann der Zugang zu tieferliegenden Schichten sein. Körper, Atem, Geist – eine Einheit.



„Yoga is not about touching your toes, it’s what you learn on the way down.“ unbekannt


Was bringt Yoga? Warum tut Yoga gut?

Wenn du möchtest, kann Yoga eine rein körperorientierte Praxis sein. Wenn du offen dafür bist, hat es das Potenzial, dir mehr zu schenken als physisches Wohlbefinden. Das entscheidest allein du. Alles kann, nichts muss. Selbst in der gleichen Übungsfolge können die Wahrnehmungen von Person zu Person ganz unterschiedlich sein. Es gibt kein Richtig und kein Falsch.


Grundsätzlich kann Yoga dir helfen


Körperlich

  • Fehlhaltungen vorzubeugen und auszugleichen.
  • Körperspannung aufzubauen. Stärkere Muskeln und flexible Faszien zu bekommen.
  • dir Beweglichkeit in alle Richtungen zu schenken – für ein geschmeidiges Körpergefühl.
  • Schmerzen zu lindern, zum Beispiel im unteren Rücken, Nacken oder in den Schultern.
  • bewusst, tiefer, freier zu atmen. Deinen Atem als beruhigenden Hebel in Stresssituationen kennenzulernen.
  • Sensibilität und Gespür für den eigenen Körper zu entwickeln. In dich hineinzuhören. Deinen Körper anzunehmen und lesen zu lernen.

Mental

  • resilienter gegen Stress zu werden und Burnout vorzubeugen.
  • ausgeglichener, entspannter zu reagieren. Gelassenheit.
  • das Leben leichter und positiver zu nehmen.
  • Geduld mit dir zu lernen. Perfektionismus und Leistungsdruck zu überwinden.
  • verzeihender, positiver, respektvoller mit dir umzugehen – und mit anderen.
  • weniger im Kopf zu sein, (wieder) mehr zu fühlen.
  • auf Intuition, Bauchgefühl und Herz hören zu lernen.
  • Zugang zu tieferen Bewusstseinsebenen zu bekommen.
  • mehr in der Gegenwart zu leben.
  • tief in dir zu ruhen - jenseits vom alltäglichen Gedankenstrudel.

Doch nun genug der Worte. Denn wie B.K.S. Iyengar, einer der maßgebenden Yogis, sehr gut verdeutlicht:
„Worte können den Wert von Yoga nicht vermitteln, es muss erfahren werden.“


Probier’s aus und finde deinen eigenen Weg.




Häufige Fragezeichen – meine Antworten.

Welches Yoga passt zu mir?

Im Westen gibt es mittlerweile facettenreiche, teils sehr kreative Formen von Yoga. Manche halten sich näher an die ursprüngliche Tradition, manche legen mehr Wert auf energetische Chakren-Arbeit, andere rücken den körperlichen Aspekt in den Fokus. Mein Tipp: Sei offen für neue Erfahrungen und probiere unterschiedliche Richtungen aus. Lass dich darauf ein. Spür in dich hinein. Wie fühlt sich die Stunde für dich an – körperlich und geistig? Bist du danach ausgeglichen? Kannst du dich darauf einlassen?  Der richtige Lehrer, der richtige Stil wird sich gut für dich anfühlen. Vertrau auf deine Empfindung.

Was sind deine Yoga-Stile? Welche Richtungen hast du für dich gefunden?

Die Kombination aus Kraft und Stille inspiriert mich. Kraft aus dem Vinyasa und Hatha Flow, Stille aus dem Yin Yoga.


Vinyasa

Vinyasa Yoga nimmt dich mit in einen kreativen Fluss, in dem Atmung und Bewegung kraftvoll ineinander verschmelzen. Der Körper folgt dem Atem. Ein Atemzug, eine Bewegung. Der - im Idealfall entspannt - rauschende Ujjayi-Atem trägt dich durch die Sequenz. Nach dem klassischen Vinyasa Krama, sind die Stunden oft wie eine Welle aufgebaut – von der Herausforderung ansteigend, bis zur schwierigsten Asana, dann abflachend bis zur Endentspannung Savasana. Vinyasa Yoga kann durchaus konditionell anspruchsvoll und sehr dynamisch sein. Eine Art Körpermeditation, bei der der Geist durch den Bewegungsfluss ruhig und klar werden soll.

 

Hatha Flow
Hatha Flow Kurse sind langsamer als Vinyasa Stunden. Auch hier liegt der Fokus auf der Verbindung von Atem und Bewegung. Du hast Zeit, einzelne Übungen länger zu halten, dich auf die exakte Ausrichtung zu fokussieren und Körperempfindungen zu erspüren. Dank feiner fließender Übergänge sind die Asanas harmonisch miteinander verknüpft. Ein stimmiges Zusammenspiel aus Energie und Entspannung.


Yin Yoga
Beobachtest du einen Yin Yoga Kurs, hast du vielleicht den Eindruck, dass die Teilnehmer „nur“ am Boden liegen. Warum? Yin zählt zu den passiven Yoga-Arten. Jede einzelne Asana wird mehrere Minuten lang geübt - drei bis zehn Minuten. Dabei geht es nicht um Muskelkraft, sondern darum, alle Spannung loszulassen, ganz weich und durchlässig zu werden. Körperlich ist Yin Yoga eine wahre Wohltat für die Faszien. Durch das Entspannen der obersten muskulären Schicht, besteht die Möglichkeit, tieferes Gewebe zu erreichen. Was wirkt, sind Zeit und Schwerkraft. Geistig hast du im Yin Yoga die Möglichkeit, tiefer in dich und deinen Körper einzutauchen als in dynamischen Stilen. Teils können unerwartete Körperempfindungen, manchmal Emotionen auftauchen. Die Kunst ist es, diese Gefühle wie Wolken weiterziehen zu lassen und zu deinem eigenen Beobachter zu werden.

Lohnt sich ein ausgebildeter Yogalehrer?

Meine persönliche Antwort: Ja, definitiv. Grundsätzlich kann jeder Yoga unterrichten. Denn Yogalehrer ist kein geschützter Beruf. Rein körperlich kommt es allerdings auf winzige Mikro-Bewegungen an, die für außenstehende Betrachter fast unsichtbar sind. Beispielsweise die Anspannung der tiefen Bauchmuskulatur, des Fußgewölbes oder die exakte Ausrichtung der Knie. Die subtilen Tendenzen machen den Unterschied, ob eine Asana dem Körper auf Dauer Gutes tut oder schadet. Diese Sensibilität entwickelt sich in jahrelangem Eigenstudium und einer fundierten Ausbildung. Ein gut ausgebildeter Lehrer wird auf diese Feinheiten eingehen und dich unterstützen, eine gesunde Praxis zu entwickeln.

Muss ich spirituell sein, um Yoga zu machen?

Nein, du musst nicht spirituell sein, um eine positive Wirkung auf deiner Matte zu spüren.
Obwohl Yoga inzwischen in der gesellschaftlichen Mitte angekommen ist, eilt ihm teils der Ruf voraus, esoterisch abgehoben zu sein. Alle Yogis sollen in anderen Sphären schweben.
Grundsätzlich hat Yoga den Wunsch, die Menschen dort abzuholen, wo sie gerade stehen. Es ist keine Religion und bindet sich, trotz altindischen Usprungs, nicht an eine bestimmte Glaubensrichtung. Von Körperübungen, über Pranayama (Atempraxis) bis zu Meditationen und Bewusstseinsarbeit, bietet das System unglaublich viele unterschiedliche Methoden. So hast du die Möglichkeit, dir dein Sahnestückchen herauszupicken, das zu dir persönlich perfekt passt. Und natürlich ist es auch eine Sache des Lehrers, wie spirituell er seinen Unterricht gestaltet und wie gut dir das entspricht. Probieren geht über Studieren. ;) 

Wer darf kein Yoga machen?

Yoga ist prinzipiell für alle geeignet, für jedes Alter, jeden Körper, jeden Geisteszustand. Trau dich! Je nach Voraussetzungen, gibt es speziell darauf abgestimmte Yogastunden. Generell wichtig ist, Abstand vom Leistungsgedanken zu nehmen, zu lernen, die eigenen Grenzen anzunehmen und diese Schritt für Schritt achtsam zu erweitern. Leistungsdruck hat auf der Matte nichts zu suchen. Denn obwohl Yoga als sanfte Übungsform gilt, gefährdest du dich, wenn du über deinen Fähigkeiten übst und zu wilde Verrenkungen probierst.
Direkt nach Operationen und wenn du akute Verletzungen oder Traumata hast, solltest du auf jeden Fall eine Pause einlegen und/oder Rücksprache mit deinem Arzt halten.

Wie oft soll ich Yoga üben? Und wie lange?

Grundsätzlich kannst du jeden Tag Yoga üben – je nachdem, wie du dich fühlst. Aus meiner Sicht ist es besser, öfter kurz zu üben, als auf den optimalen Zeitpunkt für eine lange Sequenz zu warten. Deiner Tagesroutine angepasst. Setz dich nicht unter Druck. Fühl dich frei und ungezwungen. Auch hier gibt es ein Darf und Kann, aber kein Muss. Spür in dich hinein, was in dem Moment richtig für dich ist. Es kann Lebensphasen geben, an denen langsames Yoga oder meditatives Stillsitzen und Atmen genau das Richtige ist. In anderen Zeiten brauchst du einen dynamischen Flow. Aber aufgepasst: Der innere Schweinehund spielt uns manchmal fiese Streiche. Manchmal ist genau das Gegenteil, was du gerade denkst zu brauchen, das Richtige für dich. Das unterscheiden zu können, ist eine Kunst für sich und braucht Zeit.

Wie lange braucht man für Erfolge? Wann sehe ich Fortschritte?

Eigentlich geht es im Yoga nicht darum, der oder die Beste zu sein. Es geht nicht darum, sich gewaltsam in eine vorgegebene Form zu pressen. Schon alleine, weil unsere anatomischen Voraussetzungen unterschiedlich sind. Eine fortgeschrittene Praxis bedeutet, seine eigenen Grenzen zu kennen, zu respektieren und schrittweise zu erweitern. Weniger ist manchmal mehr. Jenseits unserer Egos, die natürlich gestreichelt werden, wenn man die Asanas vermeintlich am besten ausführen kann. Yoga bietet dir die Chance, von Druck und Vergleichsdenken Abstand zu gewinnen. Übrigens praktizieren nicht alle Yogalehrer, mich eingeschlossen, den viel gerühmten Kopfstand. ;)

Wie soll ich Yoga am besten anfangen?

Wenn du mit Yoga beginnen möchtest, empfehle ich, dir einen Anfänger-Workshop bei einem guten Yogalehrer zu suchen. Anfangs kann es sein, dass du Muskelkater an Stellen spürst, an denen du gar keine Muskeln vermutet hättest. Am besten wäre eine Kleingruppe oder Einzelunterricht. Dort erklärt dir der Lehrer die  Asanas Schritt für Schritt, kann spezifisch auf dich eingehen und Fragen beantworten. So hast du die Chance, die Grundprinzipien kennenzulernen und schrittweise ein Gefühl für die Feinheiten des Yoga zu entwickeln – geistig, im Atem und körperlich.
Youtube-Tutorials sind gut, um zu wiederholen und deine Praxis zu vertiefen. Für den ersten Einstieg bist du meiner Meinung nach im Yogaunterricht besser aufgehoben. Danach sind Videos eine super Möglichkeit, um unabhängig zu praktizieren.

Was soll ich anziehen?

Wohlfühl-Kleidung, in denen du maximale Bewegungsfreiheit hast. Deine Klamotten sollten dich nirgends einschnüren – auch nicht in der Bauchgegend – damit dein Atem frei fließen kann. Such dir weiche Stoffe aus, die deinen Körper locker streicheln. Für dynamische Stunden ist es vorteilhaft, wenn deine Hose an den Knöcheln etwas enger sitzt. Nimm für die Endentspannung auch ins Vinyasa etwas zum Überziehen mit. Um mich in Savasana wohlig einzukuscheln, liebe ich beispielsweise einen großen Schal. Auf jeden Fall warm einpacken solltest du dich fürs Yin Yoga: Decke, Pulli, Socken. Durch langsame, ruhige Bewegungen und statische Haltungen kommt dein Körper darin Schritt für Schritt in einen tiefenentspannte Zustand, gibt jegliche Hitze ab und kühlt deshalb relativ rasch aus.